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Populäre Irrtümer unter Hundehaltern

»Mein Hund ist erst fünf Monate alt, er hat noch Welpenschutz.«
Falsch! Es gibt keinen Welpenschutz. Und nur im Deutschen findet sich überhaupt ein Wort dafür! Es ist sicher richtig, dass Welpen von erwachsenen Hunden gewissermaßen nachsichtig behandelt werden, weil sie als unwichtig erachtet werden, da sie in keinerlei Hinsicht eine Konkurrenz darstellen. Dennoch wird ein Welpe, der sich nicht angemessen verhält, vom älteren (und dabei keineswegs verhaltensgestörten!) Hund zurecht gewiesen werden. Auch mit Bissen. Vollkommen normal. Diesen Prozess des Lernens im Welpenalter nennt man Sozialisation.

»Mein Hund fürchtet sich vor Männern (Rollstuhlfahrern, Stöcken, Autos...), er hat wohl schlechte Erfahrungen gemacht.«
Das kann sein. Wahrscheinlicher ist aber, dass der Hund in einer wichtigen Phase seines Lebens (je nach Rasse zwischen der 7. und 16. Lebenswoche) KEINE Erfahrung mit diesen Dingen gemacht hat. Keine Erfahrung in dieser so genannten sensiblen Phase ist schlechter als eine schlechte Erfahrung!

»Der Hund wedelt, er freut sich.«
Kann wahr sein, kann fatal falsch sein! Schwanzwedeln an sich zeigt zunächst nur an, dass der Hund erregt ist. Ob freudig oder nicht, sieht man NUR an der übrigen Körperhaltung! Wirkt der Hund entspannt, locker, ist ein Ohrenspiel erkennbar, haben Sie Recht, er ist freundlich gestimmt. Ist der gesamte Körper aber versteift, und nur der Schwanz wedelt, ist Vorsicht angebracht!

»Mein Hund ist dominant.«
Falsch. Kein Hund ist per se dominant. Dominanz ist keine Charaktereigenschaft. Dominanz ist eine Eigenschaft von Beziehungen!
Dr. Dorit Feddersen-Petersen definiert Dominanz wie folgt: Dominanz bedeutet, dass in einer dyadischen Beziehung (Zweierbeziehung) A regelmäßig die Freiheit von B einschränkt bzw. sich selbst ein hohes Maß an Freiheit zugesteht, ohne dass B effektiv etwas dagegen tut, sondern B akzeptiert seine Einschränkungen.
Das heißt, dass Tier A in einer anderen Zweierbeziehung sehr wohl das dominierte Tier sein kann.

»Mein Hund ist ein Alpha.«
Unsinn. Alpha ist die Bezeichnung für den Rudelführer. Wobei der Begriff »Rudel« sich ausschließlich auf die Familie (Mutter, Vater, Kinder) bezieht. In einer Familie sind automatisch die Eltern die Alphatiere. Ein Mensch kann also für einen Hund weder Rudelführer noch Alpha sein. Und ebenso kann ein Hund nicht der Alpha eines anderen sein, wenn dieser nicht mit ihm verwandt ist.

»Mein Hund hat Verlassensangst, deshalb zerstört er Dinge, wenn ich fort bin.«
Nein. Ihr Hund ist nicht ängstlich, er ist stinksauer darüber, dass Sie ihn allein gelassen haben! Er zerstört aus Frust Gegenstände, von denen er (aus Beobachtung) annimmt, dass sie Ihnen wichtig sind. Hier ist einerseits die Beziehung noch nicht zu Ihren Gunsten geklärt, und andererseits hat dieser Hund als Welpe nicht gelernt, Frust zu ertragen.
Ein wirklich ängstlicher Hund hat keine Zeit, Zerstörungswut zu entwickeln. Er wird in einer Ecke sitzen, zittern, speicheln, hyperventilieren und unter sich urinieren.

»Mein Hund darf nicht aufs Sofa und nicht zuerst durch die Tür. So weiß er, dass ich sein Chef bin.«
Quatsch. Ein Beispiel aus der Menschenwelt: Wenn Ihr Chef Ihnen die Tür aufhält und Sie zuerst durchgehen – sind Sie dann automatisch Chef? Genau. Sind Sie nicht. Weil die Beziehung ansonsten glasklar geklärt ist. Der Chef zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass er sich souverän gibt und Ihnen eben auch mal den Vortritt lassen kann, ohne seinen Status zu verlieren. Genau so ist es auch beim Hund. Sind Sie wirklich Chef, kann der Hund ruhig in Ihrem Bett schlafen.

»Prägungsspiele bereiten den Welpen auf das Leben vor.«
Hier (und leider auch häufig in Hundeschulen und in der Fachliteratur) wird der Begriff der Prägung schlicht falsch verwendet. Gemeint wird in der Regel die Sozialisation.
Prägung ist unwiderruflich, das durch sie Vermittelte wird besonders schnell und effektiv gelernt und auf Lebenszeit behalten. Lernen durch Prägung findet statt, ohne dass eine Verstärkung durch Belohnung oder Strafe erfolgt, und ist dadurch gekennzeichnet, dass sie nur in einer bestimmten Zeitspanne des Lebens stattfinden kann.
Das bekannteste Beispiel hierfür sind wohl die Entenküken von Konrad Lorenz, die beim Schlüpfen nicht zuerst ihre Mama sahen, sondern Lorenz, und fortan und lebenslang ihn für ihre Mutter hielten.